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Aus vielen mach vier: Mit dem Modell so genannter RegioZonen will der Kirchenbezirk Pirmasens den sinkenden Kirchenmitgliederzahlen und dem Pfarrstellenabbau bei gleichzeitig zunehmendem Arbeits- und Aufgabenvolumen für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter begegnen. Die Schlüsselworte heißen Synergieeffekte und Strukturwandel, Zusammenarbeit und Zukunftsfähigkeit.

Titelmotiv des regionalen Gemeindebriefs. Foto: Schröder/pixabay

In dem in die RegioZonen Nord, West, Südost und Stadt eingeteilten Kirchenbezirk in der Südwestpfalz soll „schrittweise und behutsam eine möglichst weitreichende Kommunikations- und Kooperationskultur zwischen den beteiligten Gemeinden etabliert werden“, erklärt der Initiator des Erprobungsraumes RegioZonen, Walter Becker. Der Pfarrer ist Mitglied der Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz. Becker moderiert und koordiniert zusammen mit dem Bildungswissenschaftler Lothar Hoffmann als externem Berater den Kirchenreformprozess. Hoffmann war viele Jahre in der Jugend- und Erwachsenenarbeit der Landeskirche tätig. Außerdem begleitet der „Arbeitskreis Struktur“, ein Ausschuss des Bezirkskirchenrates, das Projekt. Die Zusammenarbeit betreffe alle Bereiche, erklärt Becker: Klassische Gemeindearbeit und Verwaltung, Seelsorge und Gemeindepädagogischen Dienst, Haupt- und Ehrenamt, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit, Finanzen und Gebäude.

Kräfte und Kompetenzen bündeln

Für die Idee der „RegioZonen“ rührt Walter Becker schon seit 2018 die Werbetrommel. Von der Landeskirche mit einer halben Projektstelle ausgestattet, leistet der 60-Jährige, der zehn Jahre lang Pfarrer in Pirmasens war und danach als Schulpfarrer häufig auch Gottesdienst- und Kasualvertretungen übernahm, Überzeugungsarbeit bei Kollegen und Presbytern, organisiert Regio-Konvente und Delegierten-Versammlungen. Etwa drei Viertel der Delegierten seien Ehrenamtliche, auf deren verantwortungsbewusste Mitarbeit und Bereitschaft zum intensiven Mitdenken er große Stücke halte, unterstreicht Becker. Hinter dem Gesamtkonzept steht die Überzeugung, dass für eine engagierte, zukunftsfähige Kirche Kräfte und Kompetenzen gebündelt und Gemeinden ermutigt werden müssen. Dabei komme es nicht nur auf strukturelle Veränderungen an, sondern vor allem auf eine Kultur des solidarischen Miteinanders. „Auf einen offenen, vertrauens- und respektvollen Umgang in einer sachbezogenen und an den Zielen orientierten Diskussion.“

Wir brauchen die verlässliche Kirche vor Ort

Kirchliches Leben richte sich nicht mehr nur nach geografischen Gesichtspunkten mit „Vollprogramm der Kirchengemeinde“. „Die Menschen sind mobil und orientieren sich in einem größeren Umfeld. Und das nicht nur auf die Kirche bezogen, sondern überall im gesellschaftlichen Leben. Trotzdem brauchen wir weiterhin die verlässliche Kirche vor Ort. Wir wollen in der Fläche präsent bleiben.“ Regionale Kooperationen seien nicht das Ende der Kirchengemeinde. „Im Gegenteil, sie sichern auf Dauer ihre Existenz“, betont der Pfarrer. Ziel des Modells RegioZonen sei es, die Gemeinden durch Kooperationen zu stärken. Ortsgebundene Dienste wie Gottesdienst, Kasualien und Seelsorge sowie aufgabenorientierte Dienste wie Kinder- und Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und Kirchenmusik könnten sich ergänzen. Kirchenreformprozesse brauchen Zeit und verlaufen nicht immer reibungslos, sagt Becker. „Wir wollen nicht planlos losrennen, sondern mit Bedacht und Konzept vorgehen. Aber auch mutig voranschreiten. In bester Pfälzer Tradition.“

Auf die Phase der Vorbereitung und der Erarbeitung des Rahmenkonzeptes folge die Erprobung und Umsetzung. Becker nennt als Beispiele aus der Region West den regionalen Gemeindebrief „Gemeinsam hoch 4“ sowie je vier regionale Konfi-Samstage und Gottesdienste mit dem Titel „4 gewinnt“. In Planung seien zudem eine halbe Standardassistenz-Stelle (Gemeinden „teilen sich“ eine Verwaltungsfachkraft). Gemeinsam entwickelte Gottesdienstpläne mit Kanzeltausch, „Powerwochenenden“ und neuen Gottesdienstzeiten hätten in einzelnen Gemeinden in der Region Nord dafür gesorgt, dass die Gottesdienste deutlich besser besucht seien, freut sich Projektkoordinator Becker über erste Erfolge.

Karte der RegioZonen. Skizze: Martin Rathke

Karte der RegioZonen. Skizze: Martin Rathke

Hintergrund: Wie überall in Deutschland verlieren die christlichen Kirchen auch in der Pfalz Mitglieder. Im Protestantischen Kirchenbezirk Pirmasens ging die Zahl im Zeitraum 2016 bis 2019 um 2335 auf 37237 Gemeindemitglieder zurück; mit mehr als der Hälfte der Mitgliederrückgänge am stärksten betroffen ist die RegioZone Stadt (Gesamtkirchengemeinde Pirmasens). In den kommenden vier Jahren werden im Kirchenbezirk voraussichtlich vier Pfarrstellen vakant; umgekehrt müssen bis 2026 nach den Vorgaben der Landeskirche drei Stellen eingespart werden. Vor diesem Hintergrund hatte die Bezirkssynode im April 2018 unter dem Motto „Wir trauen der Region etwas zu!“ beschlossen, einen Dekanats-Reformprozesses zu starten und die Presbyterien in den Regionen aufgerufen, gemeinsam Modelle zur Bewältigung dieser Aufgabe in den Gremien der Kooperationszonen zu entwickeln.

Zur Region West gehören die Pfarreien Winzeln, Luthersbrunn, Nünschweiler und Höheischweiler; zur Region Nord Schmalenberg, Rodalben, Waldfischbach, Thaleischweiler, Wallhalben und Höheinöd; zur Region Südost Lemberg, Münchweiler-Ruppertsweiler, Schönau-Rumbach und Dahn-Hinterweidenthal; zur Region Stadt Pirmasens gehören die Pfarreien Friedens-, Johannes-, Luther-, Markus-, Matthäus- und Pauluskirche. Der Protestantische Kirchenbezirk Pirmasens erstreckt sich von Schönau-Rumbach im Süden bis Schmalenberg im Norden und von Nünschweiler im Westen bis Hinterweidenthal im Osten. Dekan ist Ralph Krieger. Text: Christine Keßler-Papin

Kontakt: Pfarrer Walter Becker, Projektstelle Regionale Kooperation im Dekanat Pirmasens, Telefon: 06331/2062590, E-Mail: regionale.kooperation@online.de.

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