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Unterwegs in Lauterecken.

Unterwegs in Lauterecken.

Sie nennen sich Dorfraumentwickler und sie haben einen Plan, der alles andere als alt ist. Mit jungen Ideen und Erfindungsreichtum hat die evangelische Jugend ein Projekt auf die Beine gestellt, das inzwischen zum Modell für eine ganze Region geworden ist. Der ursprüngliche Name – „Alte Welt im Aufbruch“ – ist dabei Programm.

In einem starken Bündnis aus Kirche und Kommune, Kultur, Politik und Wirtschaft ziehen Haupt- und Ehrenamtliche an einem Strang für das gemeinsame Ziel, ihre Gemeinden für alle Generationen attraktiv und lebenswert zu gestalten. 2018 ins Leben gerufen und seitdem in verschiedenen Arbeitsgruppen weiterentwickelt, setzen die Dorf-Pioniere das mehrfach ausgezeichnete Projekt mittlerweile auch jenseits des „Alte Welt“ genannten Landstrichs zwischen Alsenz, Lauter und Glan um. „Das Miteinander in den Dörfern neu entdecken, jung und alt an einen Tisch bringen“, beschreiben es die Initiatoren, der Dekan des Kirchenbezirks an Alsenz und Lauter, Matthias Schwarz, Ingo Schenk vom Landesjugendpfarramt und Presbyter Rudi Zapp.

Lebens- und liebenswertes Landleben

Junge Dorfraumpioniere im Einsatz.

Junge Dorfraumpioniere im Einsatz.

Zusammen mit weiteren Haupt- und Ehrenamtlichen haben sie Ideen entwickelt, wie der ländliche Raum im wahrsten Sinn des Wortes wiederbelebt werden kann. Kinder- und Jugendarbeit, soziale und demografische Entwicklung, Gesundheitsversorgung und Mobilität, Arbeit, Wirtschaft, Kultur, Tourismus – die gesamte Infrastruktur wird auf den Prüfstand gestellt mit dem Ziel, die Identifikation mit der Heimatregion und dem Heimatort zu stärken und möglichen Abwanderungen vorzubeugen

Aus der Initiative Alte Welt ist das mehrfach ausgezeichnete und mit Geld aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ geförderte Modellprojekt „Der Dorfraumentwickler. Kinder- und Jugendarbeit vor Ort“ entstanden. Dank der vom Bund bewilligten Fördersumme von rund einer Million Euro können u.a. zwei Stellen – für einen Sozialarbeiter und einen Sozialwissenschaftler – finanziert werden, freut sich Schenk über den „warmen Regen“ aus Berlin.

Junge Menschen können selbst gestalten

Ausgezeichnet: Mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Fotos: Schenk

Ausgezeichnet: Mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Fotos: Schenk

Mit der von der Landeskirche für zunächst fünf Jahre eingestellten Jugendreferentin Judith Bernhard und dem Projektbüro, dem als wissenschaftlicher Begleiter der Soziologe Professor Bernhard Haupert von der Katholischen Hochschule Mainz und Schenk als Projektleiter angehören, ist das Team nun komplett. Standort der Dorfraumentwickler ist die „Ideenschmiede Alte Welt. Entwicklungszentrum ländlicher Raum“ in Reipoltskirchen. Mithilfe der Europäischen Maßnahme zur Entwicklung des ländlichen Raums, LEADER (Liaison Entre Actions de Développement de l’Économie Rurale) konnten ein Neunsitzer-Bus, ein Spiel- und zwei Bauwagen zum Einsatz vor Ort angeschafft werden.

Für das Gelingen spielten und spielen gerade die Kirchengemeinden und insbesondere die kirchliche Jugendarbeit eine entscheidende Rolle, betonen die Initiatoren. Die Mitarbeiter der Jugendzentralen in den Kirchenbezirken werden zu pädagogischen Beratern geschult, am freiwilligen Engagement interessierte Jugendliche zu Dorfraum-Entwicklern. Unter ihnen waren auch Sakda Stenzhorn und Denise Leonhardt aus Lauterecken sowie Lucas Schwarz aus Otterbach. Sie haben gelernt, die Themen, die für den ländlichen Raum und für das Dorf wichtig sind, aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und besser zu verstehen. Das sei für sie eine „einzigartige Erfahrung“ gewesen.

„Gerade Jugendliche, die auf dem Land leben, haben oft das Gefühl, abgehängt zu sein und nicht mitbestimmen zu können. Beim Projekt Dorfentwickler, in das kirchliche Traditionen, politische Entscheidungen sowie Vereinsaktivitäten und Initiativen von Bürgern einfließen, können junge Menschen selbst gestalten“, fügt Schenk an. Text: Christine Keßler-Papin

Hintergrund: Das Projekt Dorfraumentwickler ist die Weiterführung der Kampagne Evangelische Jugend vor Ort. Es nimmt die soziale und demografische Entwicklung des ländlichen Raums, seine Zukunft und Potenziale in den Blick und fördert in einem Bündnis aus Kirche, Kommune, Institutionen und Initiativen vor Ort das Miteinander der Generationen in den Dörfern.

Kontakt: Landesjugendpfarramt, Ingo Schenk, Telefon 0631/3642019, E- Mail: schenk@ejpfalz.de; Judith Bernhard, Ideenschmiede Alte Welt. Entwicklungszentrum ländlicher Raum, Hauptstraße 14, 67753 Reipoltskirchen, Telefon: 0160/94426044.

Termine: Aufgrund der Corona-Pandemie 2020 und der Beschlusslage der Kommunen pausiert der Alte-Welt-Spiel-Wagen bis nach den Sommerferien. Dies verzögert den Start der Maßnahme um etwa ein halbes Jahr.

Mehr zum Thema: www.ejpfalz.de/themen/dorf-leben

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