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Als der Zweibrücker Dekan Peter Butz Anfang 2020, kurz vor dem Corona-Lockdown, zu Werkstatttagen in die Karlskirche einlud, war den Teilnehmern schnell klar, dass es um nichts weniger als die Zukunft des Kirchenbezirks geht. Die Daten und Fakten, die der Dekan und sein Team präsentierten, ergaben ein ziemlich schonungsloses Bild: Deutlicher Rückgang der Gemeindemitgliederzahlen und der Pfarrstellen, hoher Investitionsbedarf beim Gebäudebestand, spürbar zurückgehende Beteiligung am traditionellen Gemeindeleben.

Unter Coronaschutz-Bedingungen: Werkstatttag am 5. September 2020

Unter Coronaschutz-Bedingungen: Werkstatttag am 5. September 2020…

Für Butz ist die Bestandsaufnahme Herausforderung und Chance zugleich: „Wie organisieren wir die Arbeit im Kirchenbezirk so, dass wir auch bei weniger Personal, Finanzmitteln, ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitgliedern gerne und besser unseren Dienst tun und unseren christlichen Auftrag erfüllen.“ Unter dem Motto „Kirchenbezirk 2025“ heißt es im Untertitel des Zweibrücker Strukturmodells deshalb: „Wie sind wir morgen besser Kirche?“ Dazu wurde der Kirchenbezirk mit seinen Kirchengemeinden in der Stadt, im Bliesgau im südlichen Saarpfalz-Kreis und in der Südwestpfalz in drei Regionalzonen eingeteilt.

Die Gemeinden konstruktiv beteiligen

„Wir haben uns auf einen Weg begeben, auf dem alle Gemeinden konstruktiv beteiligt werden“, erklärt Butz die „Prozessarchitektur“. Erste Ideen für einen Umbau seien bereits 2016 und 2018 bei Studienfahrten nach Wittstock in Brandenburg gesammelt worden. Nach dem Beschluss der Landessynode zu den Erprobungsräumen/LabORAtorien gingen Bezirkssynode, Steuerungs- und Vorbereitungsgruppen an die Arbeit und entwickelten Strukturmodelle, die bei Werkstatttagen bis 2022 unter Einbindung einer möglichst breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Der Zielpunkt 2025 sei nicht ohne Grund gewählt, erklärt Butz: 2027 ende seine zweite Amtszeit als Dekan. Bis dahin will der 58-Jährige sein Haus gut aufgestellt und zukunftsfähig wissen. Zugleich geht 2025 das landeskirchliche Personalbudget in die nächste Runde.

...im Kirchenbezirk Zweibrücken. Fotos: Peter Butz

…im Kirchenbezirk Zweibrücken. Fotos: Peter Butz

Der Faktencheck für den Kirchenbezirk Zweibrücken: 22 der aktuell 37 Pfarrerinnen, Pfarrer und Gemeindediakone gehen bis 2030 in den Ruhestand. Der Rückgang der Gemeindemitglieder seit 2000 beträgt rund 25 Prozent. Bis 2030 ist ein weiterer Rückgang um mehr als 15 Prozent zu erwarten. Das sei nicht nur dem demografischen Faktor geschuldet, sagt Butz. „Wir haben auch hohe Austrittszahlen.“ Rund drei Viertel des Gebäudebestands seien bewertet und in einem „recht guten Zustand“. Gleichwohl werde der mittelfristige Investitionsbedarf (fünf Jahre) auf etwa 3,7 Millionen geschätzt – bei aktuell 1,35 Millionen Baurücklagen.

Peter Butz beurteilt die Lage angesichts des steigenden Kapitalbedarfs für Gebäudesanierungen pragmatisch: Gemeindehäuser hätten möglicherweise „ihre Zeit gehabt, weil auch Gruppen und Kreise eher Auslaufmodelle sind“. Beispiel Winterbach: Dort ist wegen der Corona-Regeln das Frauenfrühstück in die Gastwirtschaft ausgewichen. Auch in anderen Bereichen vernetzen sich kirchliche Akteure mehr und mehr mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und Bereichen: in der Musik, bei Nachhaltigkeits-, Umwelt- und Jugendaktionen.

Die Kirchen-Gebäude mit ihrem christlichen Symbolwert müssten „auf jeden Fall“ erhalten werden, unterstreicht Butz, für den indes die Stilllegung von Kirchen notfalls kein Tabuthema ist. Angesichts einer zurückgehenden Beteiligung der Kirchenmitglieder am traditionellen Gemeindeleben und einer veränderten gesellschaftlichen Relevanz der Kirche machten neue regionale Konzepte und Kooperationen, beispielsweise bei Gottesdiensten und in der Konfirmandenarbeit, bereits Schule und seien ausbaufähig, ist Butz überzeugt. Mit den Kirchenwahlen am 1. Advent werde ein Generationenwechsel in den Presbyterien eingeleitet. „Die Jüngeren wollen Neues wagen, nicht nur in der Stadt.“

Hintergrund: Folgende Mitglieder der Steuerungsgruppe moderieren und gestalten den Prozess und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung: Peter Butz, Dekan, Bezirkskirchenrat, Vorsitzender Kitaverbund, Zweibrücken; Tilo Brach, Senior, Bezirkskirchenrat, Vorsitzender Gemeinschaftsverband, Schwarzbach; Matthias App, erweiterter Bezirkskirchenrat, Landessynodaler, Bliesgau; Pfarrerin Michelle Scherer, St. Ingbert; Pfarrerin Diana Lipps, Öffentlichkeitsarbeit; Jörg Concemius, Gemeindepädagoge; Gerda Huber, Leiterin Verwaltungsamt, Geschäftsführerin Kitaverbund; Jürgen K. Neumann, Vorsitzender Bezirkssynode, Landessynodaler, Zweibrücken; Gisela Helwig-Meier, Landessynodale, Mitglied der Kirchenregierung, St. Ingbert; Martin Kaufmann, Bezirkskirchenrat, Zweibrücken; Ralf Henschke, Prädikant, Zweibrücken sowie für die Beratung und Prozessbegleitung Steffen Schramm, Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung der pfälzischen Landeskirche und Barbara Görich-Reinel vom Institut für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision (IPOS) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Der Protestantische Kirchenbezirk Zweibrücken erstreckt sich von St. Ingbert im Westen bis Rieschweiler im Osten. Der Kirchenbezirk hat 36.238 Gemeindemitglieder. Zu ihm gehören 36 Kirchengemeinden und insgesamt 19 Gemeindepfarrstellen. Sieben Pfarrer unterrichten an den Gymnasien und Berufsbildenden Schulen. Weitere übergemeindliche kirchliche Einrichtungen in Zweibrücken sind der Gemeindepädagogische Dienst, die Dekanatsjugendzentrale, die Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge sowie die Religionspädagogischen Zentren in Zweibrücken und St. Ingbert. Im Kirchenbezirk gibt es darüber hinaus 23 Kindertagesstätten mit rund 407 Mitarbeiterinnen. Text: Christine Keßler-Papin

Kontakt: Peter Butz, Protestantisches Dekanat Zweibrücken, Kaiserstraße 24, Telefon: 06332/73543, E-Mail: dekanat.zweibruecken@evkirchepfalz.de.

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